Wasser in der Fotografie

Warum fotografieren wir Wasser:

Wasser ist wie allgemein bekannt der Quell des Lebens, genau aus diesem Grunde wirkt es schon seit Menschengedenken auf uns faszinierend. In Religionen (zur Taufe), in der Esoterik (der Quell des Lebens), so wie in der Kunst (Wasserspeier) findet man es immer wieder. Wasser fördert Anbau, Wirtschaft und Entwicklung, es ist somit der Ursprung unserer Wohlstandssicherung. Es gibt wohl tausende Gründe, warum wir Wasser ansprechend finden und warum ein einfacher Blick uns bereichert. Die wohl wichtigste Komponente hierbei ist wahrscheinlich die einzigartige Dynamik die von Flüssigkeiten ausgeht. Diese Dynamik ist es, die wir in Form von Fotografie einfangen möchten und genau darum geht es auch im nachfolgenden Tutorial.

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Ruhe und Weite, Wasser wirkt einzigartig auf uns

Wie wird Wasser in der Fotografie verwendet:

Wenn wir Wasser als dynamisches Element begutachten, sehen wir mehrere Auffälligkeiten. Bewegt sich Wasser schnell, bilden sich Tröpfchen die zufällig in ähnliche Laufbahnen bewegt werden, sie spritzen auseinander. Dies geschieht zum Beispiel, wenn Wasser mit großer Kraft auf Hindernisse trifft. unter anderem kann man dies in Gebirgsbächen oder in der Brandung beobachten. Des Weiteren kann Wasser durch Wind oder andere Kräfte rhythmisch bewegt werden. Ersichtlich wird dies am Meer oder an großen Binnengewässern, Wellen entstehen. Diese Bewegungen gilt es nun einzufrieren, dabei muss darauf geachtet werden, dass die Dynamik dabei nicht verloren geht, sondern gesteigert wird. Es gibt allerdings auch Momente, bei denen es weniger auf Dynamik und mehr auf andere Effekte des Wassers ankommt, z.B. dessen Reflektionseigenschaften. Somit ergeben sich Grundlegend drei markante Gestaltungsmöglichkeiten des Wassers, welche in der Fotografie häufig Verwendung finden.

  1. Wasser in Tropfen oder Punktform, dies friert einen Moment am besten ein
  2. Wasser in Linienform, bewegende Tropfen, Strömungen oder Wellen, sie zeigen deutlich die Dynamik des Wassers.
  3. Wasser in Flächen oder Schleierform, genutzt für Reflektionen oder um Unruhe(Dynamik) aus dem Bild zu nehmen.

 

 

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Fläche oder Linien, der übergang ist fließend

1. Wasser als Punkt oder Tropfen:

Wie bereits erwähnt wird diese Variante dafür verwendet um Momente Einzufrieren. Hierfür sind absolut brillante Lichtbedingungen maßgeblich. Herrscht zu wenig Licht reicht, dies meist nicht aus um die benötigten kurzen Belichtungszeiten realisieren zu können. Tosendes Meer oder Momentaufnahmen auf der Wasseroberfläche lassen sich somit perfekt in Szene setzen. Am häufigsten wird diese Technik wohl im Sport und der Tierfotografie verwendet, da sie eine sehr dokumentierende Form der Darstellung ist und die Spannung des Moments am besten einfängt. Des Weiteren benutzt man diese Technik häufig im Zusammenhang mit Lichtstarken Objektiven, dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen begünstigen lichtstarke Objektive die Belichtungszeiten positiv, zum anderen wirken die Tropfen traumhaft im Bokeh. Typische Belichtungszeiten sind hier alles im Bereich von 1/250s – 1/8000s, was wirklich deutlich macht wie viel Licht benötigt wird.

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Tröpfchen stehen in der Luft sie wirken „eingefroren“

 2. Wasser als Linie:

Bei dieser Technik wird die Szene gründlich begutachtet. Anschließend wird die Belichtungszeit darauf optimiert, dass Tropfen oder die Oberfläche des Wassers Bewegungslinien ergeben, welche positiv das Bild unterstreichen. Wie bereits angesprochen, ist dies die perfekte Technik um Brandungen oder Bäche aufzunehmen. Bewegungslinien, die dabei entstehen, können mit in den Bildaufbau eingebracht werden. Der Bewegungen werden für den Betrachter ersichtlich und er spürt die Dynamik der Aufnahme.  Aus dem Punkt wird eine Linie, welche eine Richtung aufweist und dadurch als Gestaltungselement markant wird. Generell wird diese Technik also immer dann eingesetzt, wenn die Dynamik verstärkt werden soll. Wie bereits erwähnt, spielen hier die richtigen Belichtungszeiten eine maßgebliche Rolle. Sie wechseln von Situation zu Situation und können meist nur durch ausprobieren optimiert werden. Es sollten hier wirklich einige Probeaufnahmen gemacht werden, da sich selbst bei gleichbleibender Belichtungszeit immer minimal unterschiedliche Bewegungen ergeben. Nicht jede Welle ist gleich, nicht jeder Wasserspritzer identisch. Das Perfektionieren dieser Technik ist wohl die größte Kunst der Wasserfotografie. Je nach Situation sind Belichtungszeiten von 1/40s … 1/5s … 5s denkbar. Wichtig hierbei ist nur, dass die neugewonnenen Linien auch die Bildgestaltung unterstützen, somit muss man sich bereits zu Beginn Gedanken über die Bildgestaltung machen.

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Das Wasser fällt in Linien in den pool
Wirbel im Wald
Durch die Blätterbewegungen entstehen Linien
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Die Brandung bildet Linien aus

Wasser als Fläche oder Schleier:

Erhöht man die Belichtungszeiten weiter, werden die Details immer mehr verwaschen und beginnen sich komplett im Durchschnitt zu verlieren. Es wird der Mittelwert gebildet, die Basis wird manifestiert, ein Schleier entsteht. Was Bedeutet dies für uns? Man nutzt nicht mehr einen Spritzer und lichtet dessen Bewegungsrichtung ab, sondern nutzt hunderte, welche immer und immer wieder an derselben Stelle vorbeifliegen. Ein Bewegungsmuster entsteht, eine Art Oberfläche. Der Bachlauf wird eine Seidige Form bekommen. Wellen auf der Wasseroberfläche hingegen verlieren sich zu einer Fläche, einer Platte. Diese Technik ist also optimal um Störende Bewegungen in einem Bild zu minimieren. Reflektionen an sich werden gesteigert, die Dynamik reduziert, Details der Reflektionen werden allerdings verwaschen. In der Brandung kann dieser Effekt Minuten dauern, an Gebirgsbächen Sekunden. Um Wasser minutenlang belichten zu können, werden spezielle Filter verwendet (Neutral Density Filter), welche nur Bruchteile des Lichts auf den Sensor fallen lassen. Diese Filter ermöglichen somit lange Belichtungszeiten auch an hellen Tagen. Es soll allerdings auch erwähnt bleiben, dass zu lange Belichtungszeiten die Sensoren der üblichen Kameras überhitzen können, dies kann zu ungewollten Phänomenen führen (HOT Pixel). Hierbei ausschlaggebend ist deshalb, die Balance zu finden und die Belichtungszeit auf das entsprechende Ziel zu optimieren.
Es kann zu einem zeitraubenden Unterfangen werden, die Belichtungszeiten bei den Aufnahmen anzupassen, weshalb genügend Zeit der Vorbereitung eingeplant werden muss.

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Die Reflektion im Wasser wurde hier am Hintersee verwendet
Sao Miguel Mosteiros I
Die Brandung wird zu einer seidigen Fläche
Golling Falls
Wasser bildet einen seidigen schleier aus „Gollinger Wasserfälle“

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